Wie oft sollte man Liegestütze machen? Der richtige Rhythmus zwischen Training und Erholung

Warum fühlen sich zehn Liegestütze an einem Montag leicht an und dieselbe Zahl zwei Tage später plötzlich erstaunlich schwer? Genau an diesem Punkt wird für mich deutlich, dass beim Liegestütztraining nicht nur die Wiederholungszahl entscheidet. Wer regelmäßig trainiert, beschäftigt sich irgendwann weniger mit der Frage, wie viele Wiederholungen möglich sind, sondern vielmehr damit, wie häufig der Körper diesen Reiz sinnvoll verträgt.

Ich sehe häufig, dass Liegestütze wie eine harmlose Alltagsübung behandelt werden. Kein Fitnessstudio, keine Hantel, keine komplizierte Technik – also kann man sie vermutlich jeden Tag machen. Ganz so einfach ist es nicht. Brust, Schultern und Trizeps arbeiten dabei deutlich, und auch Rumpf und Schulterblattmuskulatur müssen stabilisieren. Gerade Anfänger merken diese Belastung manchmal erst am nächsten Morgen.

Warum jeden Tag nicht automatisch besser ist

Wer nach längerer Pause zwanzig oder dreißig saubere Liegestütze macht, kennt wahrscheinlich dieses Ziehen in Brust und Oberarmen am folgenden Tag. Dann am nächsten Morgen erneut dieselbe Menge zu erzwingen, bringt selten einen Vorteil. Muskeln werden schließlich nicht während der Wiederholung stärker, sondern in der Zeit danach, wenn sie sich an die Belastung anpassen.

Für die meisten Einsteiger halte ich drei Trainingseinheiten pro Woche für einen sehr vernünftigen Ausgangspunkt. Montag, Mittwoch und Freitag funktioniert beispielsweise erstaunlich gut. Zwischen den Einheiten bleibt jeweils mindestens ein Tag, an dem sich die beanspruchte Muskulatur erholen kann.

Wer bereits länger trainiert und nach einer Einheit keinerlei Probleme mit Schultern, Handgelenken oder Ellenbogen hat, kann Liegestütze häufiger einbauen. Entscheidend ist dann allerdings, nicht jedes Training bis zur letzten möglichen Wiederholung auszureizen. Ein lockerer Satz am Dienstag belastet den Körper anders als fünf harte Sätze bis zum Muskelversagen.

Die letzten Wiederholungen verraten mehr als der Kalender

Ich achte lieber auf die Qualität der letzten Wiederholungen als darauf, ob seit dem letzten Training exakt 48 Stunden vergangen sind. Wenn das Becken absinkt, die Ellenbogen plötzlich weit nach außen wandern oder der Kopf Richtung Boden geschoben wird, ist die sinnvolle Grenze meist erreicht.

Auch die reine Zahl sollte man deshalb nicht überbewerten. Eine Einordnung dazu, wie viele Liegestütze sinnvoll sein können, ergänzt die Frage nach der Trainingshäufigkeit gut. Zwölf kontrollierte Wiederholungen können körperlich deutlich anspruchsvoller sein als zwanzig hastige.

Vor einer neuen Einheit prüfe ich gedanklich ein paar einfache Signale:

  • Fühlen sich Brust und Oberarme wieder normal an?
  • Bewegen sich die Schultern ohne unangenehmes Ziehen?
  • Bleiben Handgelenke und Ellenbogen schmerzfrei?
  • Lässt sich die erste Wiederholung technisch sauber ausführen?

Leichter Muskelkater ist dabei nicht automatisch problematisch. Deutliche Schmerzen im Gelenk sind etwas anderes. Besonders ein stechendes Gefühl vorne in der Schulter oder im Handgelenk würde ich nicht mit Ehrgeiz beantworten, sondern mit einer Pause und gegebenenfalls einer Anpassung der Technik.

Ein Rhythmus, der sich tatsächlich durchhalten lässt

Interessanterweise kommen viele Menschen mit einem etwas zurückhaltenderen Plan schneller voran. Wer beispielsweise dreimal wöchentlich drei saubere Sätze macht und jeweils ein oder zwei mögliche Wiederholungen „übrig lässt“, kann die Leistung recht kontrolliert steigern. Nach einigen Wochen werden aus acht Wiederholungen vielleicht zwölf, ohne dass jede Einheit wie eine Prüfung wirkt.

Wer dagegen täglich sein Maximum testet, misst ständig seine Leistung, trainiert sie aber nicht unbedingt optimal. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Ein Test beantwortet die Frage: Was kann ich heute? Training soll dafür sorgen, dass die Antwort in einigen Wochen besser ausfällt.

Bei Fortgeschrittenen kann tägliches Training durchaus funktionieren, wenn die Belastung bewusst variiert wird. Ein harter Tag wird dann beispielsweise von einer sehr leichten Einheit gefolgt. Trotzdem braucht niemand sieben Trainingstage, um bei Liegestützen Fortschritte zu machen. Regelmäßigkeit schlägt unnötige Härte erstaunlich oft.

Wann eine zusätzliche Pause mehr bringt als zehn weitere Wiederholungen

Manchmal zeigt sich Fortschritt gerade daran, dass man nicht trainiert. Wenn die Wiederholungszahl mehrere Einheiten hintereinander sinkt, die Arme ungewöhnlich schwer wirken oder die Technik schon im ersten Satz schlechter wird, fehlt möglicherweise schlicht Erholung.

Ich würde deshalb keinen festen Wochenplan wie ein Gesetz behandeln. Drei Einheiten können in einer ruhigen Woche perfekt passen und nach körperlich anstrengender Arbeit plötzlich zu viel sein. Der Körper kennt schließlich keinen Trainingskalender.

Am Ende ist ein guter Rhythmus derjenige, bei dem man nach Wochen noch sauber trainiert und nicht nach wenigen Tagen genervt oder mit schmerzenden Schultern aufgibt. Liegestütze sind eine einfache Übung – aber gerade deshalb zeigen sie sehr deutlich, dass Fortschritt nicht daraus entsteht, jeden Tag mehr zu erzwingen. Manchmal beginnt er mit der Entscheidung, heute bewusst eine Wiederholung weniger zu machen.

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